raumstudien / "portale II"

atmosphärische langzeitstudie, die sich mit dem thema des portals auseinandersetzt. was bedeuten atmosphäre und mystik für architektur? wo finden sich übergänge in räumen, die unsere phantasie anregen? wohin können diese führen? und wie lassen sie sich auf unsere gebäude übertragen?

 

in dieser studie suchen wir antworten an orten, deren bedeutung und funktion durch zeit und natürliche entwicklungsprozesse nach und nach überlagert wurde. welchen zweck hatten sie? wie wurden sie genutzt? von wem wurden sie genutzt? womit haben sich alte zivilisationen befasst und in welcher beziehung steht ihr wissen zu unserer technischen ausrichtung von heute? welches wissen unterliegt diesen orten? was blieb erhalten, was ging verloren? was davon können wir uns erschließen, was vorstellen?

 

auf dieser basis empfiehlt sich ein neuer, zweiter, gedehnter blick – ein demütiger blick auf orte, gegenstände, die wir vor langer zeit mit einer information verknüpft haben, die unseren heutigen blick in jedem moment einfärben oder gar trüben.

"es fehlt, behaupte ich, unsrer poesie an einem mittelpunkt, wie es die mythologie für die der alten war, und alles wesentliche, worin die moderne dichtkunst der antiken nachsteht, läßt sich in die worte zusammenfassen: wir haben keine mythologie. aber, setze ich hinzu, wir sind nahe daran, eine zu erhalten, oder vielmehr es wird zeit, daß wir ernsthaft dazu mitwirken sollen, eine hervorzubringen. [...]

 

die neue mythologie muß aus der tiefsten tiefe des geistes herausgebildet werden; es muß das künstlichste aller kunstwerke sein, denn es soll alle andern umfassen, ein neues bette und gefäß für den alten ewigen urquell der poesie und selbst das unendliche gedicht, welches die keime aller andern gedichte verhüllt. [...]

 

mythologie und poesie, beide sind eins und unzertrennlich. alle gedichte des altertums schließen sich eines an das andre, bis sich aus immer größern massen und gliedern das ganze bildet; alles greift ineinander, und überall ist ein und derselbe geist nur anders ausgedrückt. und so ist es wahrlich kein leeres bild, zu sagen: die alte poesie sei ein einziges, unteilbares, vollendetes gedicht. warum sollte nicht wieder von neuem werden, was schon gewesen ist? auf eine andre weise versteht sich. und warum nicht auf eine schönere, größere?"

 

[friedrich von schlegel / kulturphilosoph, schriftsteller / 1772 - 1829 / aus "kritische schriften"]

"portale II" / raumstudie / 2017

film und sound: 22quadrat