union investment "adaption III" / treppenhausgestaltung

[ausstellungskonzept, zeichnung, text, ausstellungsgestaltung, raumgrafik]

ausgezeichnet mit dem red dot communication design award 2016

„ein bild – das ist ein eindruck von der wahrheit, auf die wir mit unseren blinden augen schauen durften.“

 

andrej tarkovskij [regisseur, filmtheoretiker, autor]

„die versiegelte zeit“

1984

entwurf eines ausstellungskonzeptes, zusammenstellung aller inhalte aus unterschiedlichen disziplinen sowie die entwicklung von fünf themenvermittelnden raumgrafiken, die sich in form einer treppenhausgestaltung über 21 geschosse erstrecken.

entwurf eines ausstellungskonzeptes, zusammenstellung aller inhalte aus unterschiedlichen disziplinen sowie die entwicklung von fünf themenvermittelnden raumgrafiken, die sich in form einer treppenhausgestaltung über 21 geschosse erstrecken. die arbeit illustriert das evolutionäre menschliche verständnis der natürlichen prinzipien, die unserer welt zugrunde liegen. sie gewährt über diese abstrakten, freieren kanäle einen intuitiven einblick in die unternehmenskultur union investments.

 

 

die konzeptionelle arbeit ist als ausstellung angelegt und erstreckt sich durch das gesamte treppenhaus. sie dient als einladung, in die grenzwelten unkonventioneller philosophen und mystiker einzutauchen. als gegenüberstellung von gedanken, empfindungen und ideen von wissenschaftlern, künstlern, gestaltern, schriftstellern, filmemachern, planern, etc. begleiten zeichnerische interpretationen von 22quadrat den besucher durch alle geschosse. im besten fall fördert “die reise“ dialoge, wirft fragen auf.

 

sie befasst sich mit uns menschen und den uns umgebenden sowie einbindenden ordnungsstrukturen eben jener natur, die auf den flexiblen prinzipien der selbstorganisation basieren und sich im mikro- wie makrokosmos offenbaren. vor dem nutzen des verstandes war der mensch ein teil dieses gesamtsystems “natur“. mit dem “erwachen“ seines verstandes entstand jedoch ein bruch; der mensch sah sich nicht länger als teil, sondern als beobachter, former und beherrscher der natur.

 

die arbeit stellt den versuch dar, die entwicklung unseres ordnungsverständnisses der uns umgebenden welt zu illustrieren; wie wir uns in diesem system seit dem erwachen seines verstandes bewegt haben, uns heute bewegen, und vielleicht morgen bewegen werden… um wieder teil des systems zu werden, im einklang mit ihm zu leben.

 

leben wir als vermeintliche beherrscher noch im einklang mit dieser natur? was müssten wir ändern, um wieder teil des systems zu werden? oder spiegelt unser gegenwärtiges verhalten unsere eigentliche rolle in diesem komplexen system auf simple weise wider: dazu bestimmt, eine permanente unausgewogenheit zu erzeugen durch [zer-]störungen, eingriffe und umbrüche, um die komplexität und vielfalt der natur, das chaos in seiner gänze in bewegung und damit am leben zu halten?

 

die arbeit ist in fünf episoden unterteilt.

episode I

chaos 

 

„1. mathematik ist die sprache der natur.

2. alles um uns herum lässt sich durch zahlen wiedergeben und verstehen.

3. stellt man die zahlen eines beliebigen systems grafisch dar, entstehen muster. folgerung: überall in der natur existieren muster.“

 

darren aronofsky [regisseur, autor]

zitat max cohen in „pi – system im chaos“

1998

 

 

der mensch hebt sich aus der natur und stellt sich ihr gegenüber. eine ganzheitliche strömung hat sich durch das erlangen des menschlichen selbstbewusstseins geteilt. erste verbindungen und überschneidungen entstehen, ohne dass sich ein erkennbares muster zu zeigen scheint.

chaos. begleiten zeichnerische interpretationen von 22quadrat den besucher durch alle geschosse.
erste verbindungen und überschneidungen entstehen, ohne dass sich ein erkennbares muster zu zeigen scheint.
chaos detail 22quadrat
detail. die konzeptionelle arbeit ist als ausstellung angelegt und erstreckt sich durch das gesamte treppenhaus
gegenüberstellung von gedanken, empfindungen und ideen

episode II

felder

 

„es soll sich regen, schaffend handeln,

erst sich gestalten, dann verwandeln;

nur scheinbar steht’s momente still.

das ewige regt sich fort in allen:

denn alles muß in nichts zerfallen,

wenn es im sein beharren will.“

 

johann wolfgang von goethe

[schriftsteller, naturphilosoph, diplomat, staatsdiener]

„eins und alles“

1820-1822

 

 

 

 

erste wissenschaften entstehen, basierend auf der klassischen / euklidischen geometrie. hochspezialisiert, unzusammenhängend, ohne ganzheitliche betrachtung oder kommunikation. sie versuchen, die natur zu ordnen, sie zu beherrschen. sie versuchen das chaos, aus dem sich das leben formt, durch starre, lineare gleichungen zu durchdringen.

felder. empfindungen und ideen von wissenschaftlern, künstlern, gestaltern, schriftstellern, filmemachern
geometrische wandgrafik mit typografie
detail aufnahme. erste wissenschaften entstehen, basierend auf der klassischen / euklidischen geometrie.
sie versuchen das chaos, aus dem sich das leben formt, durch starre, lineare gleichungen zu durchdringen. treppenhaus. raumgrafik.

episode III

netzwerk

 

„alle lebewesen sind mitglieder ökologischer gemeinschaften, die durch ein netz wechselseitiger abhängigkeiten miteinander verbunden sind. wenn diese tiefenökologische wahrnehmungsweise ein unverzichtbarer teil unseres alltagsbewußtseins wird, dann entwickelt sich auch eine vollkommen neue art der ethik.“

 

fritjof capra [physiker, systemtheoretiker, philosoph, autor]

„lebensnetz – ein neues verständnis der lebendigen welt“

1996

 

 

wachstum und zerfall eines riesigen, permanent pulsierenden, wuchernden superorganismus als grafik wird das netzwerk zu einem geometrischen raum, einem dynamischen dreidimensionalen konstrukt, welches die vielfalt und komplexität abbildet und gleichzeitig auf die einfachheit des grundgedankens der verknüpfung verweist.

netzwerk raumgrafik treppenhaus
geometrischen raumgreifenden netzwerk, typografie
wird das netzwerk zu einem geometrischen raum
die einfachheit des grundgedankens der verknüpfung in detail aufnahme
wuchernden superorganismus als grafik

episode IV

hyperräume

 

„unsere nachkommen, was oder wer sie auch immer sein mögen, werden raum und zeit in einem ausmaß erkunden, das wir heute noch nicht imstande sind zu erfassen. sie werden neue melodien in der musik der zeit kreieren. die zahl der zu erforschenden harmonien ist unendlich.“

 

clifford pickover [autor, journalist]

„time: a traveler’s guide“

1998

 

 

die grundelemente der klassischen geometrie sind nicht mehr als eine starke abstraktion unserer realität. hinsichtlich des menschlichen bedürfnisses, tiefer in die vorhandene komplexität der natur einzudringen, um den sinn unserer existenz, unseres seins zu erfahren und zu verstehen, ist diese formenlehre allerdings unzureichend.

 

eine neue geometrie, ein neues verständnis von dimensionen musste her, um die geheimnisse, die die menschliche wahrnehmung nicht erfassen kann, ergründen zu können.

 

vielleicht liegen höhere dimensionen gar nicht außerhalb in den unbekannten weiten des weltalls irgendwo am rande eines schwarzen lochs verborgen sondern sind unmessbar, so unvorstellbar klein, dass kein mensch sie jemals sichtbar machen könnte…

hyperräume einblicke in andere räume
die grundelemente der klassischen geometrie sind nicht mehr als eine starke abstraktion unserer realität
hyperraumgrafik treppenhaus raumgrafik
detail geometrie abstraktion

episode V

multiversen

 

„wenn wir weiter feststellen, dass die welt immer ein ganzes ist, das gar keine aufteilung erlaubt, dann fragen wir: wo ist unser zugang zu diesem ganzen? und dann entdecken wir, dass die erfahrung des geistigen uns diesen zugang eröffnet. das geistige erleben wir nie als etwas abgeschlossenes.

im ganzen des weltalls gibt es eine intelligenz, von der wir keine vorstellung haben. ich kann auch eine gewissheit haben von etwas, was ich nicht begreifen kann. unter intelligenz verstehe ich etwas offenes, wo die naturgesetzlichkeit nicht greift.“

 

hans-peter dürr [physiker, essayist]

„das geistige hat keine ränder“

[im gespräch mit der spiegel]

1999

 

 

wie kann es sein, dass gerade unser universum genau die voraussetzungen enthält, die unser leben ermöglichen und uns zu selbstbewussten individuen wachsen lassen, was unser universum wiederum zu einem beobachtbarem universum werden lässt, das über sich selbst im stande ist nachzudenken?

 

wären die eigenschaften, die sich bis ins kleinste von uns messbare erstrecken, auch nur um ein milliardstel eines milliardstels verstimmt, würde das universum entweder in sich zusammenfallen oder mit so wahnsinnig hoher geschwindigkeit expandieren, dass jegliches leben im bruchteil einer sekunde ausgelöscht würde.

 

eine erklärung für dieses phänomen liefert das „viele-welten-modell“ in der physik. diesem modell nach existieren eine unendliche vielzahl an universen gleich blasen im schaum, die in jedem augenblick neu entstehen und wieder zerfallen. demnach ist unser universum eines von unzählig vielen anderen und die existenz eines intelligenten wesens wird notwendigerweise aus dieser unendlichkeit von universen hervorgebracht.

multiversen treppenhausgestaltung raumgrafik
handzeichnung um einvielfaches vergrößert und auf wand übertragen
grafik zur verdeutlichung der multiversen mit typografie
detail aufnahme. abstrahierte darstellung der überlagerung der universen
klassische geometrie zur verbildlichung der multiversen. raumgrafik wand grafik

„am anfang ist nichts, nur das rätsel.“

 

christian montillon [autor]

zitat perry rhodan in „plejaden“

2015

union investment / "adaption III" / treppenhausgestaltung [ausstellungskonzept, zeichnung, text, ausstellungsgestaltung, raumgrafik] / frankfurt am main / 2014- 2015 /

kooperation mit eurocres consulting, berlin

fotos / film / sound: 22quadrat  

 

preise / auszeichnungen: red dot communication design award 2016