urbanism follows visions / "… all the machines" / konzept

wohnen im jahr 2109

 

"die urform des raumes ist der kubus und der kubus besteht aus sechs quadratischen seiten. teilt man ein quadrat durch eine senkrechte und eine waagerechte, erhält man die ideale sprossenteilung eines fensters, das fensterkreuz. setzt man quadrate zusammen, ob als bodenplatten oder wandplatten, erhält man ein raster. damit ist die weltformel der architektur definiert, das urprinzip, aus dem sich alles entwickelt, die urmethode der morphologie. bauen ist die entfaltung von quadraten."

otl aicher

[gestalter, bildhauer, grafiker]

 

 

überbevölkerung ist die primäre herausforderung des jahres 2109. damit einher gehen weltweiter trinkwasser-, nahrungsmittel- und rostoffmangel. weite teile der erdoberfläche sind verstädtert, einerseits durch mehr oder weniger kontrollierten siedlungs- bzw. industriebau, zum anderen jedoch durch informelle, unkontrollierte bebauung von freiflächen.

 

die oberfläche des planeten wird nahezu komplett von einer zusammenhängenden stadt bedeckt.

um die immer größeren menschenmassen unterzubringen wurden sogenannte wohnkuben, umgangssprachlich, die maschinen entwickelt. entweder wie ein gewöhnliches bauwerk mit festem fundament im boden verankert oder als hovercraft – durch ein ultrastarkes elekromagnetisches feld in schwebe-position gehalten. dieses schweben schafft platz auf dem boden.

 

die strukturen bestehen aus gewöhnlichem stahlbeton [fertigbauteile], diversen leichten metallen, die die innere struktur bilden, sowie einem synthetischen textil, das die äußeren schichten bildet. im innern werden somit einige kleine öffentliche bereiche mit frischluft von außen und sonnenlicht versorgt – die textilen elemente der aussenhülle sind mit einer Art netz vergleichbar, sehr leicht und flexibel, mit unzähligen maschen versehen. die textile hülle schützt die innere struktur und definiert die körperform.

 

die wohnkuben sind vollkommen autark – einmal von seinen bewohnern bezogen, versorgen sich die einheiten selbst. das verbrauchte wasser wird gereinigt und wieder in den kreislauf verbracht, elektrizität erzeugen die gewaltigen spulen im unteren bereich. neben den wohnarealen gibt es alles was eine gewöhnliche stadt ausmacht, vom krankenhaus bis zum krematorium. menschen werden innerhalb der maschinen geboren, sie gehen zur schule und arbeiten in den industriebezirken, sie heiraten, bekommen kinder und sterben in den kuben. nahrungsmittel werden auch hier nur noch künstlich, bzw. industriell hergestellt.

 

große bereiche im innern der maschinen werden ausnahmslos künstlich beleuchtet, sind nahezu hermetisch, versorgt durch eine sauerstoff-aufbereitungsanlage. die menschen bewegen sich zwischen wohnbezirk und arbeitstelle mithilfe automatisierter transportmittel hin und her.

 

in der weiteren errichtung von wohnkuben wird die einzige möglichkeit gesehen, der überbevölkerung und dem kontrollverlust auf der restlichen erdoberfläche herr zu werden. schon längst sind z.b. die 457 kuben, die ausschließlich als gefängnisse genutzt werden, weit über ihren angedachten kapazitäten.

 

in der region mittelmeer wird seit ende 2108 eine wohnmaschine für über 1,8 millionen menschen errichtet – fertigstellung ca. 2112.

urbanism follows visions / "… all the machines" / konzept / wettbewerb & gruppenausstellung / vdw hannover / 2009-12